Notizheft mit Skizzen liegt aufgeschlagen auf einem Tisch
UX-Design trifft auf Softwareentwicklung
Zwischen Figma und Code: Warum gute Software an der Schnittstelle entsteht
Gute Software entsteht selten durch eine perfekte Übergabe vom Design an die Entwicklung.
Nicht nach dem Motto: UX macht ein Design, Development baut es nach.
In den meisten Projekten ist dieser Prozess viel komplexer. Anforderungen verändern sich. Technische Fragen tauchen auf. Nutzerfeedback kommt zurück. Und manchmal stellt sich erst während der Umsetzung heraus, dass ein Detail, das im Design klein aussieht, in der Entwicklung einen ziemlich langen Rattenschwanz nach sich zieht.
Genau über diese Schnittstelle haben wir mit UX Designer Franz Rosenberger in einem Interview gesprochen. Franz arbeitet unter anderem an der Schnittstelle zwischen Nutzerperspektive, Interface Design und technischer Umsetzung. Ein Teil seiner Projekte umfasst das entwickeln von Nutzungsszenarien, Prototypen und Designsystemen für komplexe Softwareanwendungen.
Franz war bereits in verschiedenen Projekten eng mit unserem Development-Team verbunden.
Seine Perspektive ist deshalb besonders spannend: Er schaut aus UX-Sicht auf Softwareprojekte, kennt aber gleichzeitig die Realität der technischen Umsetzung.
Team at Work
Franz at Work
UX beginnt nicht mit schönen Screens
Wenn Franz über UX Design spricht, geht es im ersten Schritt nicht um Farben, Schriften oder perfekte Oberflächen.
Es geht ums Verstehen. Wer nutzt die Software? In welcher Situation? Mit welchem Vorwissen? Was soll am Ende wirklich passieren?
„In diesen Gesprächen geht es darum, ganz genau zuzuhören und systematisch Fragen zu stellen“, sagt Franz. „Man überlegt sich: Was sind das für Leute, die das Interface am Ende bedienen? Was für ein Vorwissen bringen sie mit? Wie viel Hilfe sollte die Software anbieten?“
Bevor ein Interface entsteht, werden Prozesse verstanden, Nutzungsszenarien entwickelt und erste Abläufe skizziert.
„Meistens ist der Anfang wirklich abstrakt“, erklärt Franz. „Und im Prozess wird dann immer weiter ausdifferenziert.“
Erst danach geht es in Richtung Wireframes, Prototypen und visuelles Design. Für die Softwareentwicklung ist diese Vorarbeit entscheidend. Gute UX liefert nicht einfach nur ein schönes Layout, sondern klärt Struktur, Verhalten und Logik einer Anwendung.
Oder wie Franz es beschreibt: „Bei uns entsteht in diesem Gespräch eben auch schon ein Verständnis dafür, was für technische Anforderungen auf uns zukommen werden.“
Die Übergabe ist nicht das Ende
Spannend wird es dort, wo UX Design auf Development trifft.
Denn auch wenn ein Design in Figma sauber aussieht, heißt das noch nicht, dass die Umsetzung automatisch eindeutig ist. Wie verhält sich eine Komponente im Fehlerfall? Was passiert, wenn Daten fehlen? Welche Zustände braucht ein Button? Wie wichtig ist ein bestimmtes Detail wirklich?
Franz beschreibt diese Zusammenarbeit als „fluiden Austausch in beide Richtungen“.
Bei K3B passiert genau das häufig sehr direkt: über Tickets, direkte Message-Nachfragen, gemeinsame Abstimmungen und kurze Schleifen zwischen Design und Entwicklung. „Wenn jemand gerade ein Ticket bearbeitet, kommen oft Rückfragen“, erzählt Franz. „Zum Beispiel: Gibt es für diese Situation schon eine Komponente? Oder wie wird das gehandhabt, wenn im System ein Fehler auftaucht?“
Manchmal muss das Design nachgeben, weil eine technische Lösung pragmatischer ist. Manchmal muss aber auch das Development noch einmal genauer hinschauen, damit eine Oberfläche nicht zu sehr vom Design abweicht.
Denn Konsistenz ist nicht nur Design-Eitelkeit. „Es ist wichtig, auf Stringenz zu achten“, sagt Franz. „Wenn hier mal die Schriftgröße so eingesetzt wird und da eine andere, dann spürst du das am Ende.“
Design-Use_Case
Baustelle statt Büro
Besonders deutlich wird die Bedeutung dieser Schnittstelle in Projekten, bei denen Software nicht in einer idealen Büroumgebung genutzt wird.
Wenn ein User Interface auf einer Baustelle benutzbar sein soll, gelten andere Regeln als am Schreibtisch.
„Das Besondere ist, dass ich hier kein System ausarbeite, das am Ende in einem Bürokontext eingesetzt wird“, sagt Franz. „Sondern richtig grob draußen auf der Baustelle.“
Das verändert die Anforderungen an Design und Entwicklung. „Teilweise ist es kalt draußen, die Leute haben kaum Gefühl in den Fingern oder tragen fette Handschuhe“, erklärt er. „Dann kannst du natürlich nicht nur kleine Buttons ins Interface bauen.“
Auch Lesbarkeit wird dadurch zu einer technischen und gestalterischen Frage zugleich. „Die Sonne scheint, du brauchst starke Kontraste, damit wichtige Sensordaten gut lesbar und erkennbar sind.“
Das klingt erst einmal nach UX: große Buttons, starke Kontraste, klare Hierarchien. Aber es ist genauso ein Thema für die Entwicklung. Denn diese Anforderungen müssen technisch sauber umgesetzt, getestet und im laufenden Projekt weiterentwickelt werden.
Franz beschreibt das Projekt als „lebendig“: Die Software wird draußen genutzt, Erfahrungen kommen zurück, Features werden angepasst, Prioritäten verändern sich.
„Dann sagt die Person, die die Baumaschine bedient hat: Das hat nicht funktioniert. Oder: Diesen Sensorwert müssen wir viel größer und permanenter im Blick haben.“
Genau hier zeigt sich, warum gute Software nicht durch starre Übergaben entsteht.
Design-Use_Case
Gute UX ist manchmal Reibung
Gute UX bedeutet nicht immer, alles so schnell und reibungslos wie möglich zu machen. Manchmal ist Reibung sinnvoll.
Zum Beispiel, wenn eine Aktion kritisch ist und Nutzer:innen bewusst bestätigen sollen, was sie gerade tun. Eine zusätzliche Abfrage kann dann ein Feature sein, kein Hindernis.
„Es macht manchmal in User Experience Flows total Sinn, Reibung einzubauen“, sagt Franz. „Wenn du eine Online-Überweisung machst, ist es total sinnvoll, wenn du einmal mehr gefragt wirst, ob die Daten stimmen und ob du dir sicher bist.“
Gerade aus technischer Perspektive liegt der Fokus oft auf Effizienz. Möglichst wenige Klicks. Möglichst schnelle Abläufe. Möglichst direkte Wege.
Für die Entwicklung bedeutet das: Nicht jede zusätzliche Interaktion ist automatisch schlechter. Entscheidend ist, welchen Zweck sie erfüllt.
Wireframes
UI-Design
Software entsteht dazwischen
Am Ende zeigt das Gespräch mit Franz vor allem eines:
UX Design und Softwareentwicklung sind keine getrennten Bereiche.
UX bringt die Nutzerperspektive, Nutzungskontexte und Interaktionslogik ein. Development bringt technische Machbarkeit, Architektur und Umsetzungskompetenz dazu. Gute Produkte entstehen dort, wo beides zusammenkommt.
Zwischen Figma und Code.
Zwischen dem, was Nutzer:innen brauchen, und dem, was technisch sinnvoll gebaut werden kann.
Oder anders gesagt: Gute Software entsteht nicht erst beim Deployment. Sie entsteht in den vielen kleinen Abstimmungen davor.
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